Geschichten von der Küste zum Vorlesen für Groß und Klein

Geschichten von der Küste zum Vorlesen für Groß und Klein

DIE GESCHICHTE DER DÜNENLÄUFER 

In der Dämmerung, während sich die Sonne in einen glühenden Feuerball verwandelt, beginnen sie mit ihrer Arbeit. Winzige Zeitgenossen, für das menschliche Auge nicht zu erkennen, verrichten die Dünenläufer Tag für Tag, Abend für Abend, Sonnenuntergang für Sonnenuntergang ihren Zauber. 

Sie erklimmen die Dünen, fangen die letzten Sonnenstrahlen in kleinen Gläsern ein und spannen schwärzende Schatten über die Landschaft. Bäume werden zugedeckt, sodass das Blattwerk ohne Sonnenlicht schwarz erscheint, Sandburgen werden in ihre ursprüngliche Form gebracht, Möwen und Schwalben in den Schlaf gekuschelt, die Sandbank wird verschoben und Strandgut sortiert.

Erst das Meer, dann kleine Steine, dann Muscheln und Algen und zum Schluss werden ein paar größere Steine im Sand verteilt. Während es langsam still und dunkel wird, beginnen die jüngsten der Dünenläufer mit der wichtigsten Arbeit. In ihren Beuteln aus Seetang und Strandhafer mischen sie die Farben für den Sonnenuntergang an. 

Manchmal ein intensives orange, hin und wieder ein zartes Blassrosa oder Lila und immer wieder ein helles Blau. Mit großen und kleinen Pinseln malen sie den Himmel an. Sie tupfen ihre Pinselspitzen ins Meerwasser und ziehen sachte Farbverläufe in den Horizont. Danach pusten sie mit kalten Atem Wolken an den Himmel und läuten so die Nacht ein. So schnell, wie sie erscheinen, so schnell machen sie sich auch wieder aus dem Staub. In der Sekunde, in der die Sonne im Kuss mit dem Meer verschmilzt und erlischt, verschwinden die Dünenläufer. Niemand weiß wohin sie gehen. Nur, dass sie morgen Abend wiederkommen werden. 


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