Geschichten von der Küste zum Vorlesen für Groß und Klein

Geschichten von der Küste zum Vorlesen für Groß und Klein

Advent, Advent, das 2. Lichtlein brennt... und das bedeutet wieder eine tolle Vorlesegeschichte für die kleinen Küstenkinder. Heute erfahrt ihr, wie es das Weihnachtsvolk geschafft hat, eine Weihnachtskatastrophe zu verhindern...

WIE DIE WEIHNACHTSBÄCKEREI GERETTET WURDE

ES IST DIE WUSELIGSTE ZEIT DES JAHRES für den Weihnachtsmann und seine Weihnachtswichtel. Gerade mal zwei Wochen bleiben noch bis zum schönsten Fest des Jahres, und jeder arbeitet auf Hochtouren. Die fleißigen kleinen Helfer gönnen sich keine Pause und schnitzen, schrauben, schweißen, backen, verzieren und nähen, um rechtzeitig alles fertig zu bekommen und jedem Kind seinen größten Weihnachtswunsch erfüllen zu können.

Die Weihnachtswichtel, müsst ihr wissen, sind übrigens ganz entfernt mit den Dünenzwergen verwandt, die an unseren heimischen Küsten in den Sandbergen wohnen. Während hierzulande die Dünenzwerge unter anderem fleißig die Sonnenuntergänge an den Himmel zaubern, sorgen ihre Verwandten am Nordpol neben ihren Weihnachtsaufgaben dafür, dass die Polarlichter in den dunklen Nächten am Firmament tanzen. 

Sie besuchen sich nur selten, weil der Weg so weit ist, aber sie stehen in regem Austausch miteinander. Kleine Flaschenposten werden verschickt, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten, und manchmal überbringen auch weit gewanderte Meerlebewesen ihre Botschaften.

ABER ZURÜCK ZU UNSEREN WEIHNACHTSWICHTELN, denn da trug sich so kurz vor Weihnachten etwas zu, was unserer Aufmerksamkeit bedarf, und zwar in der Weihnachtsbäckerei der Zuckerwichtel. Es war eine Katastrophe: Die ganze Arbeit der letzten zwei Wochen lag verstreut auf dem Boden herum. Pfeffernüsse, Lebkuchenhäuser, Marzipankartoffeln und Zimtsterne waren angefressen, Zuckerperlen, Schokoladensterne und Vanillekipferl aus ihren liebevoll gepackten Socken herausgerissen. Inmitten all dieser Verwüstung saß Guthilde, die Chefin der Zuckerwichtel, und weinte bitterlich.

"Die ganze schöne Arbeit ist hin", schluchzte sie in einem Fort, und "wie soll ich das nur dem Weihnachtsmann erklären?" Der kam gerade um die Ecke, weil sein SOS-Pieper plötzlich wie wild angefangen hatte, Alarm zu schlagen.

"Ach du liebe Zipfelmütze, was ist denn hier passiert?" rief er aus und eilte zu Guthilde. "Ich weiß es nicht, Weihnachtsmann. Gestern Abend war noch alles in Ordnung. Ich habe wie immer mit den drei großen Schlüsseln die Tore abgeschlossen, als wir fertig waren. Aber als ich heute früh hineinkam, war das Tor aufgebrochen und ich hab nur noch diesen Schlamassel hier vorgefunden. Weihnachtsmann, wer könnte so etwas Schreckliches tun?"

DER KRATZTE SICH NACHDENKLICH AM KOPF UND BLICKTE SICH UM. In den Überresten auf dem Boden fiel ihm etwas auf, was Guthilde nicht hatte sehen können, weil sie so klein war. "Da sind Fußspuren! Du sitzt sogar in einer, Guthildchen!" sagte er lachend. Guthilde machte große Augen. "Oh, wirklich?! Aber wie kannst du denn in so einer Situation lachen, Weihnachtsmann?"

Der blickte väterlich auf sie herab. "Ach, Guthildchen, keinem meiner Wichtel ist etwas passiert. Der Schaden beläuft sich nur auf Dinge, die wir einfach wieder neu machen können, es ist also alles in Ordnung. Wie wir eure Arbeit wieder aufholen, das überlege ich mir noch, aber jetzt sollten wir erstmal herausfinden, wer hier so gewütet hat. Und ich habe da auch schon so eine Vermutung..."

Er nahm Guthilde auf den Arm und ging mit ihr den Spuren nach. Die führten sie einmal quer durch die ganze Weihnachtsbäckerei, vorbei an der Lebkuchenpresse, den Kipfelgebirgen, unter der Zuckerschriftmanufaktur hindurch und dann über die Schokoladengletscher. Und dort lag, unter einer großen Weihnachtstanne, die mit Zuckerstangen geschmückt war, ein kleiner, kugelrunder Eisbär neben seinen ebenso kugelrunden Eltern. "Hab ich es mir doch gedacht," sagte der Weihnachtsmann nachdenklich. 

"ALSO, DAS IST JA EINE UNVERSCHÄMTHEIT!" ereiferte sich Guthilde. Blitzschnell kletterte sie am Mantel des Weihnachtsmannes nach unten, sauste zu dem kleinen Vielfraß, der glücklich vor sich hinschnurchelte, und packte ihn beim Puschelöhrchen. "He, du! Aufwachen, du Tunichtgut! Was fällt euch ein, hier so ein Chaos anzurichten? Wir haben Wochen dafür gebraucht!" Sie war richtig außer sich und hüpfte zeternd auf und ab. So hatte selbst der Weihnachtsmann die runde Wichtelin mit den Pausbacken und den schneeweißen Locken noch nie gesehen. Sie war sonst außerordentlich gutmütig. 

Von dem Gezeter wurden die Eisbären schließlich wach. Sobald sie bemerkten, wo sie waren, setzten sie alle eine schuldbewusste Miene auf. "Also, was hat das hier alles zu bedeuten?" fragte der Weihnachtsmann. "Hnn, altso... es hat doch tso lecker gerochen hier getstern, und... altso..." stammelte der kleine Eisbär los.

Er war noch sehr jung, und er gab sich redlich Mühe, einen klaren Satz zustande zu bringen, aber es wollte ihm nicht gelingen, und schließlich ließ er den Kopf hängen. Seine Mutter tätschelte ihm das Fell. "Entschuldige, Weihnachtsmann. Gestern Abend kamen wir vom Jagen nach Hause, aber wir hatten wieder nichts gefangen. Nur einen kleinen Fisch, der nicht mal einen von uns satt gemacht hat. So geht das jetzt schon seit Wochen," sagte sie bestürzt.

DER WEIHNACHTSMANN NICKTE NACHDENKLICH. Die Stürme waren in letzter Zeit in der Tat schlimm gewesen, und Futter zu finden musste fast unmöglich gewesen sein. Guthilde hatte sich inzwischen beruhigt. Sobald sie vom Schicksal der Eisbärenfamilie erfuhr, hatte sich ihre zornige Miene geglättet und ihre Augen hatten einen mitleidigen Ausdruck angenommen.

Papa Eisbär meldete sich nun auch zu Wort. "Als wir dann gestern nach Hause gingen, hatten wir solchen Hunger, und aus deiner Bäckerei strömte auf einmal dieser unwiderstehliche Duft... wir haben geklopft, aber es war keiner mehr da. Und da haben wir uns... naja, Zutritt verschafft. Wir wollten wirklich nicht so ein Unheil anrichten, aber sobald wir einen Lebkuchen probiert hatten, gab es kein Halten mehr. Wir konnten uns nicht beherrschen und haben alles gegessen, was in unsere Bäuche gepasst hat," erzählte er niedergeschlagen.

Es war ihm ganz offensichtlich sehr peinlich, dass sie alle so rücksichtlos gewesen waren. Guthilde standen Tränen in den Augen, und sie ging zu dem kleinen Eisbär, der immer noch den Kopf hängen ließ.

Sie drückte ihn ganz fest und streichelte ihm die kleine feuchte Schnauze, an der noch ein bisschen Schokolade klebte. "Ets tsut mir gantz schrecklich leid," schniefte er. "Ach, du lieber kleiner Eisbär, mach dir mal keine Sorgen," meinte Guthilde liebevoll. "Wir sind euch nicht mehr böse, nicht wahr, Weihnachtsmann?" Der schüttelte den Kopf und streichelte den Eisbären die Flanken. "Wenn die Sache so liegt, natürlich nicht."

DIE DREI EISBÄREN HOBEN DEN KOPF. "Wirklich nicht? Aber eure ganze Arbeit ist hin!" Guthilde linste zum Weihnachtsmann hinüber und grinste. "Ich glaube, der Weihnachtsmann hat schon eine Idee, wie wir das wieder hinbekommen. Nicht wahr, Weihnachtsmann?" Der lachte aus vollem Halse. "Da hast du Recht Guthilde!"

"Erst einmal müssen wir hier Ordnung schaffen," sagte Guthilde und trommelte alle Zuckerwichtel zusammen. Nachdem der erste Schock überwunden war und sie hörten, wie es den Eisbären ergangen war, war ihnen keiner böse. Die drei Eisbären halfen natürlich bei den Aufräumarbeiten. Mit ihren großen Pranken schoben sie das Chaos zusammen, trugen die kleinen Wichtel und die Beutel mit Lebkuchenresten auf ihren breiten Rücken durch die gesamte Weihnachtsbäckerei, und der kleine Eisbär tobte nach getaner Arbeit mit den Wichtelkindern durch die Kipfelgebirge, bis sie alle ganz vanillige Nasen hatten. 

Der Weihnachtsmann war unterdessen zu den Verwandten der Weihnachtswichtel geflogen und hatte ihnen berichtet, was sich am Nordpol zugetragen hatte und um ihre Hilfe gebeten. Kaum einen halben Tag später landetet der Schlitten vor den Toren der Weihnachtsbäckerei, und hunderte kleine Dünenzwerge krabbelten daraus hervor. Das war ein großes Hallo! Man hatte sich so lange nicht gesehen, und noch nie war einer von ihnen einem Eisbären begegnet!

In den nächsten Tagen und Wochen waren so viele Wichtelhände am Werk, dass bereits nach einer Woche doppelt so viele Leckereien hergestellt waren, wie die Eisbärfamilie aufgefuttert hatte. Die Eisbären hatten währenddessen geholfen, wo sie konnten, und waren dankbar, dass ihnen keiner wegen ihres Einbruchs und des Zuckerdiebstahls böse war. 

NACHDEM ALLES ERLEDIGT UND WEIHNACHTEN VOERST GERETTET WAR, gab der Weihnachtsmann ein großes Fest für alle Weihnachtwichtel und Dünenzwerge. Er lud auch die Eisbären und ihre Verwandten ein, und machte ihnen schon vor Weihnachten ein großes Geschenk. Mitten in der Feier übergab er das Wort an Guthilde.

Die kletterte auf eine Tanne und sagte feierlich: "Damit in Zukunft am Nordpol niemand je wieder Hunger leiden muss, seid ihr alle herzlich eingeladen, immer zu uns zu kommen, wenn die Zeiten wieder schwer werden. Wir haben eine neue Abteilung gegründet, die immer eine offene Küche für euch hat, wenn euch der Magen knurrt." Die Eisbären wussten gar nicht, wo sie mit dem Danken anfangen sollten, und machten vor lauter Freude Purzelbäume. 

Fortan halfen sie außerdem immer beim Weihnachtsmann aus, wenn schwere Arbeit getan werden musste, und pflegten ein wunderbare Freundschaft zum Weihnachtsvolk. Die Dünenzwerge wurden wieder in ihre Sandberge zurückgebracht, jeder mit einer kleinen, handbemalten Schneekugel ausgestattet, damit sie ihr Abenteuer am Nordpol nie vergessen würden. 

Und wenn bei Euch zu Weihnachten auch eine prall gefüllte Socke am Kamin hängt, dann denkt doch mal ganz lieb an die fleißigen Wichtel und Zwerge, die zusammen mit den Eisbären dafür gesorgt haben, dass die Nascherei zu Weihnachten auch ja nicht zu kurz kommt...!


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